Das historische Kürten Vom Kirchspiel zu Gemeinde - Eine kurze Geschichte der Gemeinde Kürten.

historische Zeichnung der Kirche in Kürten

11.-15. Jahrhundert:

Wenn sich für den Raum Kürten auch bislang keine vor- und frühgeschichtlichen Siedlungsspuren nachweisen lassen, so bietet sich als einer der ältesten Zeugen hiesiger Geschichte immerhin der weithin sichtbare spätmittelalterliche Turm der katholischen Pfarrkirche an: Erbaut wurde er im 11. oder 12. Jahrhundert.
Um 1308 verzeichnet der "Liber Valoris" - eine Auflistung aller Kirchen als Grundlage zur Eintreibung des Kreuzzugzehnten - den Ort "Curtine" als Standort einer Kirche. Die Kirche selber war Johannes dem Täufer geweiht. Diese Namensgebung könnte einen Hinweis darauf geben, dass der Standort des heutigen Gotteshauses möglicherweise bereits zur Zeit der Christianisierung als Taufstätte diente. Und sofern sich diese Vermutung durch gesicherte Erkenntnisse und Funde erhärten sollte, könnte man sogar annehmen, dass es bereits im 8. Jahrhundert eine Ansiedlung auf Kürtener Boden gegeben hat. Aber solange das nicht bewiesen ist, berufen sich die Historiker auf zwei - als gesichert geltende - Erwähnungen der Teilorte Olpe und Bechen aus dem 12. Jahrhundert: In einer Urkunde aus dem Jahre 1171 bestätigt Erzbischof Philipp von Heinsberg (1167-1191), dass ein Reinald von Olpe (Reinaldum de Olpe eiusque uxor Kunigunde) mehrere in Blankenberg an der Sieg gelegene Höfe sowie eine Mühle an das Nonnenkloster St. Ursula in Köln verkauft habe. Und wenig später, 1175, berichtet eine Urkunde eben dieses Erzbischofs Philipp von Heinsberg, dass ein Reinhard von Kenten beabsichtigt habe, sein Gut in "ABeche trans Renum" (Bechen, jenseits des Rheins) dem Heiligen Petrus, also der Kirche, zu übertragen, um dort Nonnen anzusiedeln.
Zwar sind aus der Zeit des frühen und des Hochmittelalters für die hiesige Gegend nur spärliche schriftliche Quellen überliefert. Gleichwohl steht fest, dass die Grafen und späteren Herzöge von Berg in jener Zeit auch die obersten Landesherren sind. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts führen diese Herren im ganzen Herzogtum eine Ämterverfassung ein und sichern damit ihre Herrschaft bis hinein in die entlegensten Gegenden.

6.-18. Jahrhundert:

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehören Kürten, Olpe, Bechen und Wipperfeld, aber auch die Kirchspiele Lindlar, Overath, Engelskirchen, Hohkeppel und die Stadt Wipperfürth dem Amt Steinbach an. Der Name geht auf eine ehemals im Bereich der heutigen Gemeinde Lindlar existierende Burg Steinbach zurück, die seinerzeit den Mittelpunkt des Amtes bildet. Mehrere Kirchspiele, die wiederum aus Honschaften bestehen, schließen sich zu einem Amt zusammen. Im Jahre 1739 beispielsweise sind dem Kirchspiel Kürten vier, dem Kirchspiel Olpe drei, dem Kirchspiel Bechen eine und dem zum Kirchspiel Wipperfeld zwei Honschaften zugeordnet.

Historische Zeichnung der Gemeine Kürten in der Vogelperspektive aus der Zeit um 1908

Von großer Bedeutung für die Geschichte der Gemeinde Kürten ist das Gerichtswesen: Da ist zum einen die Hofgerichtsbarkeit, die im ländlichen Raum eine wichtige Rolle spielt. Und da ist zum anderen die übergeordnete Gerichtsverfassung des Herzogtums Berg, deren Wappen sich bezeichnenderweise und auf das alte Siegel des Kürtener "Landgeding" aus dem Jahre 1555 zurückführen lässt. Über vier solcher "Landgerichte" verfügt seinerzeit das Amt Steinbach. Sie sind sämtlich dem Hauptgericht in Porz unterstellt: Nur dort können sie Hilfe bei schwer lösbaren Rechtsproblemen einholen. Für die Kirchspiele Kürten, Bechen und Olpe sind das Kürtener Landgericht zuständig; Wipperfeld hingegen untersteht dem Landgericht Wipperfürth.
Insgesamt sind die Landgerichte verantwortlich für die niederen Kriminalfälle und darüber hinaus auch für alle strittigen Erbfälle. Den Vorsitz bei allen vier Gerichten führt der Schultheiß, der neben dem Amtmann das zweithöchste Amt bekleidet. Ihm zur Seite stehen die Scheffen, von denen Kürten zwei, Bechen und Olpe je einen stellen. Das Urteil des Amtsgerichts kann beim Amtsmann per Appellation angefochten werden.

Eine Postkarte, welche die Kirche in Kürten aus der Vogelperspektive zeigt. Zusätzlich werden eine Wirtschaft im Fachwerkstil und eine Villa eingeblendet. Der Schriftzug "Gruss aus Bechen" ziert den oberen Bereich der Karte.

Parallel dazu sind in der Zeit vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die sogenannten Hofgerichte für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Im Jahre 1555 besitzt das Amt Steinbach zwölf solcher Kataster und Grundbuchämter. Ausschließlich diesen Hofgerichten ist es vorbehalten, über Besitzverhältnisse und Übertragungen der Landbevölkerung im Kürtener Raum, insbesondere bei strittigen Erbangelegenheiten, zu entscheiden. Aus diesem Grund räumt der Landesherr dem ganzen "Umstand," also allen Hofsleuten, die Möglichkeit ein, am Hofgericht und seiner Urteilfindung selbst mitzuwirken.

19. Jahrhundert:

Im Jahre 1806 tritt der damalige Landesherr, Kurfürsten Max Joseph von Pfalzbayern, das Herzogtum Berg an Napoleon ab, der es 1808 in ein Großherzogtum unter Führung von Joachim Murat umwandelt. 1810 schlägt mit Einführung des Code Civil die Stunde der alten Ämterordnung. Aus den Kirchspielen Kürten, Olpe, Wipperfeld und Bechen werden die "Mairie"s Kürten (Kürten, Bechen) und Olpe (Olpe, Wipperfeld). Sie alle sind dem Kanton Wipperfürth zugeteilt, der seinerseits dem Arrondissement Elberfeld untergeordnet ist.
Die preußische Herrschaft übernimmt von 1813/14 an die neue Einteilung fast vollständig. Lediglich werden die nach französischer Maßgabe definierten politischen Territorialbezeichnungen ins Deutsche übertragen, und so heißen die Kantone jetzt Kreise, und die Mairies sind nunmehr Bürgermeistereien mit ihren jeweiligen Spezialgemeinden.
Die Bürgermeistereien in den neuen Verwaltungsbezirken sind in nahezu allen Verwaltungsbereichen dem Landrat unterstellt. Der wiederum wacht mit gespitztem Rotstift über die Finanzen der beiden Bürgermeistereien Kürten und Olpe. Die Steuereinnahmen der vier ländlich strukturierten Spezialgemeinden Kürten, Bechen, Olpe und Wipperfeld sind seit Menschengedenken alles andere als zufriedenstellend; Industrieansiedlungen sind im 19. Jahrhundert noch kaum vorhanden. Die über viele Generationen hinweg bis zum Äußersten betriebene Praxis der Realteilung erreicht im 19.Jahrhundert schließlich einen Punkt, wo der Grundbesitz der Menschen, die hierzulande fast ausschließlich von der Landwirtschaft leben, unter das überlebenswichtige Minimum geschrumpft ist: Realteilung heißt nämlich, dass der Grundbesitz einer bäuerlichen Familie stets aufs neue unter den jeweiligen Erben aufgeteilt wird, so dass nach wenigen Generationen für die einzelne erbberechtigte Familie eine aufgestückelte Kleinparzelle zurückbleibt, die nichts mehr hergibt. Infolgedessen herrscht große Armut. Hungersnöte zwingen viele Bewohner dazu, aus dem bergischen Hügelland in die Industriezentren an Rhein und Wupper oder sogar nach Übersee auszuwandern. Durch diese Landflucht verlieren die beiden Bürgermeistereien Kürten und Olpe im Laufe des 19. Jahrhunderts einen Großteil ihrer Bevölkerung. Aus etlichen Berichten der damaligen Bürgermeister wird deutlich, wie schlecht es um die finanzielle und soziale Situation der damaligen Landbevölkerung steht.

Deckblatt des Buches Kürtener Schriften. es zeigt auf blassgelben Grund weiter oben beschriebene Postkarte in Farbe.

20. Jahrhundert:

Der Erste Weltkrieg ist überstanden, die Weimarer Republik hat sich zu einer schwächelnden Demokratie formiert. Im Jahre 1929 erfolgt der nächste Zusammenschluss: Die Ämter Kürten (bestehend aus den Gemeinden Kürten und Bechen) und Olpe (bestehend aus den Gemeinden Olpe und Wipperfeld) werden zusammengelegt und bilden die Bürgermeisterei Kürten.

Der Zweite Weltkrieg beschert dem Ort ab 1943 eine Reihe grauenvoller Bombardements, zahlreiche Tote und Verwundete und schließlich endlose Flüchtlingsströme. Nach der Kapitulation im Mai 1945 unterstehen die Amtsgeschäfte der britischen Miltitärregierung. 1946 wird das Amt Kürten Teil des neu gebildeten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Flüchtlinge aus ehemaligen deutschen Ostgebieten führen zu einem deutlichen Bevölkerungszuwachs. 

Im Zuge der Gebietsreform von 1975 muss die alte Bürgermeisterei Kürten ihre Gemeinde Wipperfeld an die Stadt Wipperfürth abgeben. Im Gegenzug erweitert sich aber die neue Gemeinde Kürten um die Ortschaft Dürscheid. Im einzelnen gestaltet sich diese  kommunale Neugliederung wie folgt.: Die bisherige Gemeinde Kürten und wesentliche Teile der Gemeinden Bechen und Olpe bilden die neue Gemeinde Kürten (§ 11 Abs. 1 Köln-Gesetz). In diese neue Konstellation gliedern sich außerdem Teile der damaligen Stadt Bensberg (u.a. Dürscheid) und kleinere Gebiete der (z.T. damaligen) Gemeinden Lindlar, Odenthal und Wipperfeld ein. Im Verlauf der Auflösung des Amtes Kürten geht der größte Teil des vormaligen Ortsgebiets von Wipperfeld an die Stadt Wipperfürth.
 

Vom 20. ins 21. Jahrhundert:

Die Aufbauleistungen in allen Regionen der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eröffnen auch in Kürten bis in die 1990er Jahre einen vergleichsweise ungeahnten infrastrukturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, begleitet von einem Bevölkerungszuwachs von knapp 4.000 Menschen in der Nachkriegszeit bis über 20.000 Bürgerinnen und Bürger im Jahre 2000. Im Gegenzug zeigen sich seit der Jahrtausendwende mit den immer knapper werdenden Mitteln der öffentlichen Haushalte die Zeichen eines Wachstumsrückgangs. 

Im Jahre 2008 feiert der Hauptort Kürten das 700-Jahres-Jubiläum seiner Ersterwähnung als CURTINE im Liber Valoris (1308).